Warum ein Einzeller mehr kann als 10 Ingenieure

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Die Macht der Selbstorganisation

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Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie das mit unserer Intelligenz denn so funktioniert? geschweige denn, ab wann ein Organismus, ein System, eine Organisation als intelligent gilt?

Dann lassen Sie sich für ein paar Minuten in eine Welt entführen, auf dass Sie alles hinterfragen werden, was Sie bisher so über das Leben gelernt haben.

“Wir waren bisher immer der Meinung alles bis ins kleinste Detail erforschen zu müssen […] wir hatten immer die Hoffnung dahinter einen Plan des Lebens zu finden. Dabei müssen wir immer mehr begreifen, dass es diesen Plan nicht gibt. Selbstorganisation kann man nicht planen” 

Prof. Dr. Gerald Hüther (Neurobiologe)

Die Effizienz der Selbstorganisation

Haben Sie schon einmal davon gehört? Mit Sicherheit. Die Forschung der Chemie, Physik, Neurobiologie, sowie die angewandten Wissenschaften (z.B. Verkehr & Sozio-Ökonomie) beschäftigen sich aktuell sehr intensiv mit dieser „Selbstorganisation“ 

Aber um was geht es dabei?

Die Phänomenologie/Theorie der Selbstorganisation beschreibt die Tatsache, dass Organisation/Anordnung von einzelnen Teilen (Individuen, Zellen, Molekülen, Elementen etc.) zu einem grossen Ganzen völlig ohne Plan, Anleitung oder grössere Gesetzmässigkeit funktioniert. Ferner beschreibt die Annahme, dass dies stets so geschieht und sich verhält, dass wir dabei die grösstmögliche Effizienz enthalten. 

Reden wir in diesem Kontext von Effizienz, sprechen wir von:

  • Sparsamkeit in Bezug auf Ressourcen
  • Minimalster Aufwand für maximalen oder ausreichenden Effekt

Ein interessantes Beispiel dafür sind Termiten und deren Bau eines Termitenhügels

Ein Bild, das draußen, Natur, Gras, Feld enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Ein Termiten-Volk besteht auf Millionen winziger Organismen (Individuen), welche mittels primitivster Interaktion ein bemerkenswertes Verhalten (Bau eines massiven Termitenhügels) an den Tag legen. Die Biologie weiss aber mittlerweile, das es weder eine koordinierende Instanz bei den Termiten gibt, noch einen fixen Plan, wie der Hügel/Bau letztendlich auszusehen hat. Wie durch „Zauberhand“ funktionieren die kleinen Insekten und schaffen kooperierend etwas grosses. 

Dabei wird klar: Wir beschäftigen uns bei der Selbstorganisation im Grunde mit zweckmässigen Verhaltensweisen, welche durch entsprechende Organisation/Anordnung am effizientesten funktionieren. 

Wie funktioniert das denn mit der Selbstorganisation?

Im Kontext der Selbstorganisation bewegen wir uns somit auch immer in der Kern-Aussage des methodologischen Kollektivismus.

Um es auf den Punkt zu bringen: 1+1 > 2

Ergo, ein System (Gesellschaft, Termiten-Volk, das Gehirn etc.) ist wesentlich mehr als nur die Summe seiner Teile. 

Die Verhaltensweisen einzelner Individuen, ergibt in der Summe also ein Verhalten, welches dem Individualverhalten deutlich übergeordnet ist. 

Das interessante dabei ist, dass die einzelnen Bestandteile (Menschen, Termiten, Gehirnzellen etc.) des grossen Ganzen sich lediglich nach einfachsten Gesetzmässigkeiten verhalten. 

So verhalten sich einzelnen Atome und Moleküle stets nach den Prinzipien der Anziehung & Abstossung und ordnen sich dabei immer so an, dass sich für sie die stabilste Lage/Position ergibt. Eben nach dem Prinzip der Effizienz und Gesetzen einfacher Thermodynamik. 

Skalieren wir dieses einfache Verhalten, sehen wir dieses Muster auch bei sehr komplexeren Molekülen, bzw. Lebewesen.

Auch unsere Termiten reagieren stets lokal auf Mikro-Ebene. Sie orientieren sich an ihren Nachbarn und deren Verhalten. Auch hier entstehen Mechanismen der natürlichen Effizienz und vor allem der Selbsterhaltung (Überleben, Energie sparen, vgl. stabiler Zustand der Moleküle)

Die Entstehung der Intelligenz

Die Aneinander-Kettung dieser einzelnen lokal Verhaltensweisen (Mikro-Ebene) ergibt in seiner Summe eine übergeordnete Verhaltensweise (Makro-Ebene), welche einen grösseren Zweck erfüllt; welcher aber wiederum positiv und begünstigende Auswirkungen für die Individuen mit sich bringt. Mikro-Makro-Affektivität par excellence. 

Diese Art des Verhaltens bedarf aber auch einem internen Informationsfluss. Auch dafür organisiert sich das System, um diesen Zweck des Informationsflusses so effizient und effektvoll wie nur möglich zu gestalten. 

Und genau dann, sprechen wir von intelligentem Verhalten, bzw. einem intelligenten System. 

Der Mensch als Krone der Schöpfung

Aufgrund der Tatsache, dass Millionen von Hirnzellen (also ich) dieser Artikel schreiben und Sie (ebenfalls Millionen von Hirnzellen) diesen Artikel lesen und wir beide über solch komplexe Zusammenhänge philosophieren, muss ja unumstritten beweisen, dass wir an Intelligenz auf dieser Welt nicht zu übertreffen sind und wohl das raffinierteste System überhaupt darstellen – Richtig?

Nun. Ich möchte Ihnen nun jemanden vorstellen. Gestatten Sie: „Schleimpilz“

Der Schleimpilz

Ich präsentiere Ihnen nun einen Weltrekord. Es handel sich um die grösste einzelne Zelle dieser Erde – zugleich dem grössten Einzeller dieser Erde. 

Ein Bild, das Blume enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Der Schleimpilz. Zugegeben der Name irritiert, ist dieses Lebewesen nämlich weder Pilz, noch Tier, noch Pflanze – vielmehr handelt es sich um eine Amöbe. Wobei das Bild, welche sie an der Seite sehe, den Masstab 1:1 darstellt, und dieser Einzeller mehrere Quadratmeter gross werden kann (ja Sie haben richtig gelesen). 

Dieses Lebewesen verfügt über kein Gehirn und keine zentrale steuernde Einheit. Es besitzt mehrer Zellkerne (aber nur eine einzige Zellmembran) und die üblichen Bestandteile einer biologischen Zelle

Trotz dieser vermeintlichen Primitivität zeigt dieses Lebewesen äusserst interessante Verhaltensweisen, welche aktuell weltweit untersucht werden. 

Schleimpilz vs. Ingenieure

Im Jahre 2010 hat man sich an der Universität in Tokio gefragt, ob wir hierbei tatsächlich von Intelligenz sprechen können. 

Dafür wurde ein Versuch durchgeführt. 

1. In einer Petrischale wurden verschiedene Punkte gesetzt. 

Diese „Punkte“ waren Haferflocken (Nahrungsquelle für den Schleimpilz).

Hier ein kurzes Video eines ähnlichen Versuches, um Ihnen das Bewegungsmuster und die Verhaltensweisen des Schleimpilzes zu verdeutlichen (mit Popcorn) Referenz

2. Die Haferflocken „Punkte“ in der Petrischale werden so angeordnet, auf dass diese den wichtigen Zentren/Orten/Plätzen der Stadt Tokio entsprechen. 

(Modellversion der Stadt Tokio)

Diese Punkte entsprechen zudem auch wichtigen Verkehrsknotenpunkten der Tokioter U-Bahn, welches als effizientestes und zuverlässigstes ÖPNV-Netz der Welt gilt. 

3. Der Schleimpilz wurde in das Zentrum der Petrischale gesetzt und 72h in Ruhe gelassen.

4. Auf dem linken Bild sehen Sie das reale Bild des Tokioter U-Bahn Netzes, auf der rechten Seite das Schleimpilz-Netzwerk nach 72h. Auf der linken Seite sehen Sie das Meisterwerk zahlreicher Ingenieur und Experten, welche über Jahrzehnte akribisch geplant wurde, auf der rechten Seite sehen Sie einen Schleimpilz, der Hunger hatte. (Referenz)

Ein Bild, das Basketball, Spiel, Zaun enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Wie hat er das gemacht?

Das wollen Sie jetzt nicht hören, aber unser gelber Freund hatte einfach Hunger. Er folgte schlichtweg dem Gesetz der Selbsterhaltung und natürlichen Effizienz. Mittels Trial & Error suchte er sich den richtigen Weg, um letztendlich die effizienteste Vernetzung zu finden. Ohne Plan, ohne grössere Macht, die Ihn führte. 

Wenn Sie sich das obige kurze Video erneut ansehen, fällt auf, dass sich der Schleimpilz stringent fraktal fortbewegt. Das natürliche Phänomen der Fraktale hat Benoit Mandelbrot bereits entdeckt und In den 70er & 80er Jahren bereits bekannt gemacht. Auch hier zeigt sich wieder einmal, wie sich das Gesetz der Selbstähnlichkeit auch im Kontext der Selbstorganisation wiederspiegelt. 

Ein Bild, das Blume, Pflanze, haltend, Vase enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Selbstorganisation in der Betriebs-Ökonomie

Ich beschäftige mich nun seit einiger Zeit mit diesen Phänomen. Sowohl in der Sozio-Psychologie, Physik, Chemie, Mathematik, Verkehrswissenschaft, Philosophie und Neurobiologie entdeckte ich immer wieder das selbe Muster. 

Es ist kein Geheimnis mehr: Die Welt tickt nach diesem Muster – Es hängt somit alles zusammen. 

Doch aus irgendeinem Grund hat die Menschheit entschieden, dass diese Gesetzmässigkeiten in der Betriebs-Ökonomie und der Unternehmens-Organisation nicht gelten sollen. (PS: Der Grund nennt sich Kontrolle/Macht de Inhaberschaft) 

Über Jahrzehnte waren wir der festen Überzeugung: Effizienz, ordentliche Produktivität und Innovation bedürfen klarer Struktur, Führung und einem festen Plan. Das Bildungs- und Erziehung-System, welcher wir parallel dazu geschaffen haben, spiegelt diesen Glauben ebenso wieder. 

Und nun stehen wir stehen wir im Jahre 2020 vor grossen Herausforderungen, welche dem alten System der Unternehmen-Organisation auf die Pelle rückt. PS: auch hier die interessante Parallele in unser Bildungs- & Erziehungs-System

Wir erkennen nach und nach, dass wahre Innovation & wahre Effizienz durch starre Hierarchien, straffe Führungsmuster nicht annähernd so funktionieren, wie diese sich Natur-bedingt entwickeln könnte. 

Aufgrund dessen, sehe ich die Agilität – mit deren Idee der Selbstorganisation – als die Chance und Gelegenheit neu Potenziale freizusetzen, welche noch vielmehr leisten können als 1000 Ingenieur der Tokioter Stadtwerke. 

IUEHS

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