Die agile Schulorganisation

Kinder oder Kunde?

HIER GEHTS ZUR SCRUM MASTER ZERTIFIZIERUNG

HIER GEHTS ZUM AGILEN COACHING

HIER GEHTS ZUR AGILEN ORGANISATIONSENTWICKLUNG

HIER GEHTS ZUR AGILE COACH AUSBILDUNG (CAS)

HIER GEHTS ZUR DESIGN THINKING AUSBILDUNG

(Bild: pixabay)

Die Herausforderung unserer Gesellschaft

der starke gesellschaftliche Wandel der letzten Jahre in Wirtschaft & Gesellschaft ist nun mittlerweile für alle spürbar und offensichtlich.

Vor allem unsere Unternehmen befinden sich aktuell in einem ordentlichen Wandel und gar Überlebenskampf in immer dynamischeren Märkten.

Vor allem das liebe Thema mit den Mitarbeitenden lässt viele HRler und Geschäftsführer unruhig schlafen.

Selten waren Mitarbeiterfluktuation und breiter Fachkräftemangel solch ein grosses Problem, wie aktuell.

Der technologische Fortschritt und die Veränderung der New Work Bewegung, verlangen ebenso eine neue Art und Weise des Arbeitens und des kollegialen Miteinanders.

Kreativität, Innovation und Dynamik sind gefragt!

Die gesunde Portion Social Skills darf hierbei natürlich nicht fehlen, denn diese sind die absolute Basis für jegliche Interaktion im betrieblichen Alltag.

Doch wer liefert uns nun den perfekten Arbeitnehmer – sozial, empathisch, innovativ, motiviert und am besten loyal?


Die Herausforderungen des Bildungssystems

Unser nationaler Bildungsapparat gilt als ultimativer Zulieferer für die freie Wirtschaft. Das klingt nun ein wenig hart und arg pragmatisch, doch im Grunde stimmt diese Aussage.

Somit darf die Frage erlaubt sein: Liefert unser Dienstleister „Bildungssystem“ auch wirklich zufriedenstellend?

Mangelhaftes Produkt

Immer wieder werden Stimmen laut, dass die Ergebnisse unseres Bildungssystems wenig zufriedenstellend wären. Immer öfter wird von Hochschulabsolventen gesprochen, welche wenig Verständnis und Ahnung von der Praxis haben und bei denen es enorm an sozialer Kompetenz fehlt. (vgl. FAZ Artikel)

Tatsächlich eine Entwicklung, welche absolut nicht mit den Trends der modernen Betriebs-Ökonomie einhergeht. Ist der eigentliche Mehrwert eines Unternehmens zukünftig doch mehr und mehr Innovation, Kreationismus und Kunden-orientierte Dienstleistung.

Das Ergebnis ist dann ein Praktikum – welches mittlerweile sehr oft unbezahlt ist – um den frisch gebackenen Berufseinsteiger noch in eine gewisse Form zu bringen. (vgl. 20 Min Artikel)

Bestellung stornieren? Oder Neuer Zulieferer?

Die Wirtschaft betreibt also Schadensbegrenzung und der Bildungsapparat produziert munter weiter?

In der freien Wirtschaft würde man sich einfach nach einem anderen Zulieferer umsehen. Bei unserem Bildungssystem geht das nicht ganz so einfach. Stornieren – eher schwer.

Damit das gesellschaftliche System also weiter funktioniert und zukunftssicher wird, muss der Zulieferer (das Bildungssystem) sich anpassen. Eine Aussage, welche gerade in den letzten 10 Jahren immer öfter zu vernehmen war. Auch ich persönlich sehe das absolut notwendig, wenn der wirtschaftliche Wohlstand weiter aufrecht erhalten werden soll. (vgl. Artikel)


Warum läuft es im Bildungsapparat nicht rund?

Das Fundament unserer Bildungssystems geht tatsächlich auf Napoleons Zeiten zurück.

Selbstverständlich hat sich seither einiges getan und bewegt. Dennoch wird vielerorts beklagt: Unser Bildungsapparat wäre starr und unflexibel und somit weder für Schüler noch für die Wirtschaft (als Kunde & Nutzer) geeignet. (vgl. Artikel)

Die verzogenen Schüler

Ach ja, Schüler. Tatsächlich geht es ja letztendlich um sie. Ferner geht es um deren optimale Entwicklung.

Carl R. Rogers und andere Vertreter der Sozio-Psychologie lehren uns, dass Kinder (Menschen) sich im Grunde von Natur aus zu innovativen, motivierten und hoch sozialen Erwachsenen entwickeln.

Frau Prof. Dr. Vera Birkenbihl sieht dies ebenfalls so. Doch erklärt auch sie ganz deutlich, dass diese optimale Entwicklung in der Realität nicht geschehe, denn in der Regel „kommt die Erziehung dazwischen“. Ergo erleben Kinder/Menschen im Laufe deren Entwicklung negative Einflussfaktoren, welche eben nicht das gewünschte Produkt „innovativer, sozial-kompetenter Mensch/Mitarbeiter“ hervorbringt.

Der Neuro-Biologe & Sozial-Wissenschaftler Prof. Dr. Gerald Hüther, sieht vor allem die fehlende Freiheit & Möglichkeit zur Selbstorganisation im Bildungssystem für absolut hinderlich, wenn es um die Entwicklung der Kinder geht.

Um es in anderen Worten klar darzustellen: Unser Bildungsapparat fördert weder Schüler noch Wirtschaft.

Das verstaubte System – fehlende Kundenorientierung

Das staatlich organisierte System ist schwer, träge und längst renovierungsbedürftig. (vgl. Artikel) Das grosse Problem und somit Wurzel allen Übels ist aber vor allem die fehlende Kundenorientierung. Die freie Wirtschaft hat deren Importanz unlängst begriffen – bei der Verwaltungs-getriebenen Bildungsinstanz fehlt diese Einsicht schier völlig.

Die grosse Herausforderung ist, dass wir im Bildungsapparat zwei Kunden zu betrachten haben.

Vorsicht jetzt wird es spannend:

Primär ist der Kunde des Bildungssystems nämlich der Schüler/Student/Lernende. Es ist ja nun einmal die Aufgabe der Schule, Universität etc. den Menschen zu seiner optimalen Entwicklung zu unterstützen und zu begleiten.

In der Realität nehmen wir dabei leider eher eine Erziehung zur System-Konformität wahr.

Damit konnte Daimler vor 50 Jahren mit Sicherheit noch etwas anfangen. Aber im Jahr 2020 prangern Google, Tesla, Apple & Prof. Dr. Gerald Hüther diesen Ansatz zurecht an.

Sekundär betrachtet ist der Kunde Nr. 2 dann wohl die freie Wirtschaft, welche aber durchaus zufrieden sein wird, wenn sie es mit optimal entwickelten Individuen zu tun hat.

Eine Frage der Organisation

Erinnern Sie sich noch an Ihre Schulzeit? Auch noch an die Organisation Ihrer Schule?

Dort gab es einen Direktor, einen Kon-Rektor, Studienräte, Schulamtsleiter, Oberstudienräte, Fachschaftsleiter etc. etc.

Quelle: Agilitätskonform®

Fällt Ihnen dabei etwas auf?

Hinter all diesen Titeln verbirgt sich eine sehr starre und hierarchische Organisationsstruktur, die mit Lehrkräften ausgestattet ist, welche unmittelbar nach Ihrer Schulbank das Studium zum Lehramt / zum Pädagogen angetreten haben. Ergo, von einer Schulbank zur nächsten zur übernächsten.

Auch wenn dies nicht auf alle Lehrende zutrifft, zeichnet sich doch sehr wohl ab, woher der mangelnde Bezug zur realen Wirtschaft wohl kommen mag.

Hinzu kommt, dass dort sehr starr-hierarchisch gearbeitet und agiert wird. Wer, wie, wo und wann unterrichtet wird, bestimmt in der Regel nicht die operierende Lehrkraft, sondern wird strikt Regel-konform über Amt und Schulleitung dirigiert.

Ein Ansatz, der in der freien Ökonomie immer strikter verteufelt wird. Kundenorientierung geht nämlich anders.

Doch wie ändern? Wie ermitteln wir zum einen den konkreten Bedarf der Schüler (um tatsächliche Entwicklungsförderung zu leisten) und wie schaffen wir eine stabile Brücke zum Bedarf der realen Wirtschaft ausserhalb der Klassenzimmer?
Die Agile Schulorganisation

Die Idee ist recht simpel und aus der realen Wirtschaft übernommen. Agilität in der Schulorganisation.

Wer war nochmal dieser „Agil“?

Agilität und agile Organisationen in der Betriebsökonomie, zeichnen sich dadurch aus, dass Unternehmen somit deutlich Kunden-orientierter agieren können. Das Prinzip beruht auf der Abschaffung der klassischen starren Hierarchie und der neuen Selbstorganisation & Selbstbestimmung der Mitarbeitenden. Führungskräfte werden zum Coach & Servant Leader; Mitarbeitende werden gefördert, um Kundenbedarfe mit neuer Innovation & Motivation herauszuarbeiten.

Fazit: Das Prinzip geht auf und ist für die Erfolge grosser global player verantwortlich.

Genau diesen Erfolg münzen wir auf unser Schulsystem um. Denn ob Kind oder Kunde. Mensch ist Mensch. Mit agilen Methoden schaffen wir es – schnell und dynamisch – exakte Kunden-Bedarfe herauszuarbeiten. Mit selben Methoden und neuer Sichtweise sollen Lehrende es bei den Schülern gleich tun.

Die neue Ordnung

Die agile Organisation

Wie man in dieser Visualisierung erkennen kann, haben wir uns von der klassischen Pyramide gelöst. Entscheidend in dieser Organisation ist, dass der absolute Fokus hierbei auf den Schüler, sein Verhalten und sein Bedarf gerichtet ist. Er stellt die Basis und somit Vorgabe der Ausrichtung der Organisation dar.

Zweck der Organisationsform

Diese Organisationsformkann divers eingesetzt werden. Zum einen soll sie eine Ordnung der Gesamtorganisation darstellen, welche so die permanente Schulorganisation

vom Direktor zum Servant Leader

beschreibt. Andererseits kann diese Form der Organisation skaliert auch ein spezifisches Projekt-Team beschreiben, welches im Rahmen der temporären oder permanenten (dynamischen) Bedarfsermittlung fungieren kann. Ebenso einsetzbar ist diese Variante für Analyse & Massnahmen im individuellen Case-Management.

Die Schulleitung „der Coach“

Eine besondere Rolle erhält hier die Schulleitung. Anders als in der klassischen Struktur übernimmt der neue „Coach“ eine unterstützende und befähigende Aufgabe und entledigt sich der eigentlichen Entscheidungskompetenz. Gemäss der agile Idee, obliegt diese nämlich demokratisch den Team-Mitgliedern. Als klassischer Coach behält die Schulleitung (Projektleitung) den Überblick und gibt lediglich Impulse in seiner passiv-koordinierenden Rolle.

Das Team

Das Team innert dieser Organisation ist Fach-divers aufgestellt. Wichtig dabei sind drei wesentliche Instanzen.

Lehrer

Die Lehrkräfte haben die Aufgabe den spezifischen Bedarf der Schüler/Lernenden aus Sicht der pädagogischen Wissensvermittlung zu betrachten.

Sozialarbeiter (SozPäd/Psych)

Der Schul-interne Sozialarbeiter, bzw. Sozialpädagoge, ferner Psychologe trägt Verantwortung für die emotionale Befindlichkeit, die geistige Weiterentwicklung, Lösung von Blockaden und Förderung sozialer Kompetenzen der Lernenden & Heranwachsenden.

Vertreter der freien Wirtschaft

Der Vertreter der freien Wirtschaft ist ein externes Team-Mitglied, welches gezielt ein gewisses Mass an Fachexpertise in die Organisation bringt. Ziel ist diese Instanz dennoch als festen Rollen-Bestandteil inkl. Mitbestimmung in die Schulorganisation zu integrieren.

Diversität für mehr Schüler-Fokus

Durch die Selbstorganisation und demokratischen Selbstbestimmung ergibt sich innert dieser Team-Struktur eine enorme Dynamik und Kompetenz.

Schüler im Fokus

Durch agile Methoden wie dem angewandten erweiterten Design Thinking, gelingt es dem Team mittels seiner diversen Fach-Kompetenzen die Bedürfnisse und Herausforderungen der Schüler/Lernenden zu definieren und konkrete Massnahmen anzuwenden.

Der Effekt der agile Schulorganisation

Abgesehen von der optimierten und angepassten Bedarfsermittlung der Lernenden und somit angepassten Lehre, zeigen sich noch weitere Effekte der agile Schulorganisation.

Die Effekte dieser neuartigen Form der Organisation wirken sich nicht nur auf den Schüler aus, sondern vor allem auf die Mitarbeitenden, ergo – Lehrkräfte.

Mehr Energie für Lehrkräfte & Pädagogen

Durch die moderne agile Arbeitsweise werden Verantwortlichkeiten und Kompetenzen, so verteilt, dass sich eine allgemeine Entlastung für die Pädagogen zeigt.

Ein modernes Lehramt ist heutzutage längst nicht mehr auf reine Wissensvermittlung beschränkt. Immer öfter zeigt sich, dass Lehrkräften sozial-pädagogische und erzieherische Kompetenzen abverlangt werden (vg. Artikel).

Eine deutliche Mehrbelastung, welche in den letzten Jahre rasant zugenommen hat und Lehrkräfte an ihr Limit bringt.

Durch die Verteilung der Rollen, Aufgaben, Kompetenzfelder und somit Verantwortung erreichen wir in einer agilen Organisation eine deutliche Entlastung.

Den Schülern ein Vorbild

Durch die moderne Art und Weise der Zusammenarbeit der Pädagogen, welche sehr auf gesunde soziale Interaktion und Kommunikation beruht, überträgt sich eben dieses Verhalten auch auf die Lernenden.

Genau diese Vorbildfunktion fördert die Entwicklung der Schüler als Individuen, die Schüler-Lehrer Beziehung und vor allem die Sozial-Kompetenz der Lernenden.

Eben genau diese Dynamik und Fähigkeit der optimierten sozialen Interaktion ist Notwendig, um in der späteren Arbeitswelt erfolgreich zu sein.

„Meine Generation wurde so unterwürfig erzogen, dass sie später einmal in ihrem Job brav das machen, was man ihnen aufträgt […] Deswegen bin ich Förderer des selbstbestimmten Lebens und das beginnt in der Erziehung…“

Reinhold Messner 2019

Autor

Johannes Baldauf

Psychologe & Soziologe

Call Now Button