Einleitung

Die rasante Entwicklung und der schnelle Wandel von Wirtschaft & Gesellschaft, im Zuge der technischen und globalisierten Revolution, bedeutet vor allem auch für den Bildungssektor einen Drang & Zwang zur Veränderung. 

Der Anspruch komplexer Märkte an die Betriebs-Ökonomie, sowie wiederum deren Anspruch an künftige Arbeitnehmer (Studierende, Schüler), rückt mehr und mehr ins Zentrum aktueller Veränderungsdiskussionen. 

Die IUE Hochschule in Basel hat diesen Wandel und die einhergehende Notwendigkeit erkannt und im Bereich der tertiären Bildung & Lehre das Gebot der agilen Lehre / agilen Agogik etabliert und visionär weiterentwickelt.

Ziel ist es, die agile Agogik empirisch weiterzuentwickeln und für deren optimalen Praxistransfer zu sorgen. 

Unter Leitung von IUE HS Professor Johannes Baldauf, sind die Direktion für Forschung, sowie der Bildungs- & Studierendenrat ständige Mitglieder dieser Task-Force. 

Die Entwicklung der agilen Agogik wurde im Jahr 2019 etabliert und soll im Jahr 2021 auch in anderen Hochschulen und Bildungseinrichtungen Einzug halten. 

A) Zielsetzung der Lehre

Die IUE Hochschule hat zur Mission, Forschung & Lehre stets am exakten Bedarf der Betriebs-ökonomischen Realität auszurichten. 

So ergibt es sich, dass es der Lehre im tertiären Bildungssektor mehr bedarf als die reine Vermittlung theoretischen Wissens. Ein deutlich entscheidender Aspekt, wird zunehmend die soziale Interaktion, sowie Fähigkeit der Studierenden zum Kreationismus.

Kreative Schaffensprozesse stellen in modernen Unternehmen den eigentlichen Mehrwert dar. In Zeiten der Digitalisierung & Automation werden operative Prozessuren in die Hände der Technik gegeben und die menschliche Arbeitsleistung fokussiert sich auf kreationistische Tätigkeiten. 

Die sozialen Interaktionen mit all ihren Facetten, stellen – in Zeiten transparenten und leicht zu findenden Wissens – eine weitaus grössere Herausforderung an Organisation und somit auch an Studierenden dar. 

Die IUE Hochschule sieht die Stärkung und Förderung der sozialen Interaktion, sowie der Entwicklung zum Kreationismus als zentrale Aufgabe der Lehre. Die Brücke zwischen fachlicher Wissensvermittlung und Förderung sozialer Interaktionsfähigkeit, findet sich in der agilen Agogik. 

Diese beschreibt die Art und Weise der Lehre, bzw. des Lernens. 

Gemäss dem Gesetz der natürlichen Effizienz der Selbstorganisation, lassen sich hierbei optimale Bedingungen nutzen, um Wissen sinnvoll und effektiv zu verarbeiten, sowie zugleich die Förderung sozialer Interkationen zu stärken. 

B) Effekt der Selbstorganisation

B) 1. Die natürliche Effizienz

Die natürliche Effizienz des Menschen aus Sicht der Psychologie, Soziologie und Neurobiologie

Von IUE Professor Johannes Baldauf 

Johannes Baldauf
IUE Professor

In diesem Artikel möchten wir Ihnen erklären, dass der Mensch (als solches durchaus naturgegeben) stets zur Effizienz und Optimierung tendiert. 

Dabei schauen wir uns die Wissenschaftsfelder der Psychologie, Soziologie und Neurobiologie an. 

Psychologie 

Die Lehre der Psychologie zeigt uns, wie sehr menschliches Verhalten an ultimativer Effizienz ausgerichtet ist. Klingt seltsam? 

Ich werde dies Schritt für Schritt erklären. 

Einer der wohl bekanntesten und renommiertesten Psychologen / Psychotherapeuten hat eben dies bereits in den 70er Jahren festgestellt. [1] Die Rede ist von Carl R. Rogers, dem US-Amerikanischen Therapeuten und Seelenforscher. 

Für Carl Rogers ist der Mensch von Geburt an mit all seinem vollen Potenzial ausgestattet, welches er benötigt, um sich selbst zu einer selbstständigen und unabhängigen, sowie erfolgreichen Persönlichkeit zu entwickeln. 

​Zudem hat Rogers festgestellt, dass der Mensch – als soziales Wesen – stets bestrebt ist, sich permanent zu optimieren, um sein Ziel der vollen Potenzialsentfaltung (Selbstverwirklichung) zu erreichen.[2] Dieses permanente Streben ist im gesunden Menschen instinktiv vorhanden. Ebenso entscheidend ist, dass dieser „motivationale Antrieb“ von Geburt bis zum Tod eines Menschen – ergo, während der gesamten Entwicklung – vorhanden ist und eine gewisse stete Dynamik mit sich zieht.

Jetzt mögen Sie sich fragen, warum die Realität uns dabei ein anderes Bild zeigt und wir doch im realen Leben immer wieder auf unmotivierte, depressive und in-innovative Menschen treffen? Durchaus zeigt sich dieser – von Rogers erklärte – Drang zur steten Optimierung in der Realität – ob Pädagogik, Agogik oder im Betriebs-ökonomischen Alltag – oftmals eben nicht. 

„Der Mensch ist dazu programmiert sich ständig weiter zu entwickeln und stets motiviert sein Potenzial voll und ganz zu entfalten…das ist soweit wunderbar…doch dann kommt die Erziehung dazwischen…“[3]

Prof. Dr. Vera F. Birkenbihl

Damit Menschen sich entwickeln, bedarf es dem Zutun von Aussen – ergo, der sozialen Interaktion mit der sozialen Umwelt eines Individuums.[4] Diese soziale Interaktion sorgt respektive für die Entwicklung eines Menschen. 

Bildnis nach C. Rogers

Der Mensch – das Individuum – steht in ständiger Auseinandersetzung, einem ständigen Informationsaustausch mit seiner sozialen Umwelt. Interessant für die Entwicklung des Menschen ist hierbei vor allem die Rückmeldung, bzw. die Zuschreibung sämtlicher Reize, welche seine Persönlichkeit (Charaktere, Eigenschaften etc.) beschreiben lassen. 

Vor allem sorgt die soziale Interaktion (als Treibstoff der Entwicklung) dafür, dass Menschen zur reflektierten und motivierten Persönlichkeit werden – Dem Drang zur Selbstoptimierung und Effizienz wird Raum gegeben und die Entwicklung nimmt einen positiven Verlauf. 

Diesen „positiven Verlauf“, der beschreibt, dass eben diese besagte Triebkraft zur gesunden, reflektierten, motivierten Persönlichkeit wirken kann, benötigt vor allem vier entscheidende Faktoren, welche vom sozialen Umfeld des Menschen gegeben sein müssen.

  • Freiheit
  • Wertschätzung
  • Transparenz
  • Förderung

Ferner: Eine (überwiegend) als „positiv“ bewertete Interaktion mit seiner Umwelt. 

Motivation vs. Demotivation

Diese stete und immerwährende Auseinandersetzung mit unserer sozialen Umwelt bestimmt somit unsere Entwicklung zur erfolgreichen, selbstständigen und unabhängigen Persönlichkeit – oder eben nicht!

Damit wir uns nämlich zu einem „erfolgreichen Menschen“, also zur vollen Entfaltung und Selbstverwirklichung entwickeln, benötigen wir überwiegend positive soziale Interaktionen.

Freiheit, Wertschätzung, Transparenz/Sicherheit und Förderung/Nährstoff verhelfen uns dabei, unser Potenzial voll zu entfalten.

Passiert dies nicht, erfahren wir also grundsätzlich wenig Wertschätzung, wenig Freiheit, wenig Transparenz/Sicherheit, wenig Förderung/Nährstoff, zeigt sich eben genau das Gegenteil. 

Der natürliche Optimierungsdrang wird blockiert; der Mensch wird gehindert sein Potenzial zu entfalten und derart gehemmt, dass dieser seine Motivation und Innovation verliert. 

Kompensation zur Effizienz

Der menschliche Effizienzdrang ist allerdings so ausgerichtet, dass er sich (sofern dies möglich!) immer so aufstellen wird, dass er fehlende Wertschätzung, Freiheit, Transparenz etc. kompensiert. 

Vergleichbar ist dies mit einer Pflanze, die im Schatten steht. Pflanzen sind genetisch dazu programmiert stets zu wachsen und sich zur Blüte zu entwickeln.

Dies können sie aber nur dann, wenn sie ausreichend Licht erhalten. Tun sie das nicht, erleben wir bei Pflanzen sehr oft, wie diese sich stets zur Lichtquelle hin ausrichten und den Schatten somit umgehen. 

Menschen verhalten sich in diesem Kontext ebenso.

Carl Rogers nimmt dafür die Kompensations-Theorie von Sigmund Freud und entwickelte diese weiter.[5]

Wie macht sich dies in der Betriebs-Ökonomie und Agogik bemerkbar?

In der Realität ferner in Unternehmen und im Bildungssystem, haben wir diese Effekte sehr häufig und zunehmend Folgen-intensiver. 

Symptome wie Burn-Out, Fluktuationen, In-Effizienz, fehlende Innovation und Motivation etc. sind die Symptome dieser Prozessur. 

Ursachen dafür, sind oft die fehlende Wertschätzung (verschiedenster Art), Mangel an Freiraum/Schaffensraum und Freiheit, fehlende Transparenz und wenig Möglichkeit der Förderung, ergo, Möglichkeit den inneren Entdecker- und Forschertrieb ausleben zu können. Ob in der Agogik oder im Betriebs-ökonomischen Alltag, zeigt sich doch dieses Bild der Hinderung natürlicher Effizienz. 

Denn grundsätzlich gilt für jeden Menschen:

Motivation ist naturgegeben

Damit besagt Rogers und die Wissenschaftsdisziplin der Psychologie, dass Menschen von Natur aus motivierte und Effizienz-getriebene Wesen sind.[6]

Innovationskraft ist naturgegeben

Ähnlich verhält es sich mit der Innovationskraft und dem Drang zur Weiterentwicklung & Kreativität.[7]

​Ein Faktum, welches vor allem Maria Montessoris (Pädagogin) erkannte und in Ihrem Lebenswerk stets zum Fokus machte. 

Soziologie

Psyche des Menschen = Psyche der Gesellschaft

Auffällig ist, dass sich selbe Phänomenologie – wie in der Psychologie durch Rogers beschrieben – ebenso auch auf ein gesellschaftliches Konstrukt wiederspiegelt. 

Auch im Bereich der Soziologie wissen wir mittlerweile, dass sich individuelles Verhalten und Erleben eines einzelnen Menschen direkt auf ein soziologisches System übertragen lässt und/oder umgekehrt.

Der methodologische Kollektivismus & methodologische Individualismus beschreiben, wie sehr individuelles Erleben und Verhalten durch das soziale Umfeld beeinflusst werden und beeinflusst sind.[8]

Gerade James Samuel Coleman hat diese Zusammenhänge im Kontext der Ökonomie und Betriebs-Ökonomie deutlich gemacht.[9]

So lässt sich vereinfacht festhalten: 

Dies Psyche des einzelnen Menschen, entspricht selbem Muster und Verhalten, wie die Psyche des gesamten Systems/Unternehmens.

Wie macht sich das in der Betriebs-Ökonomie und im Bildungswesen bemerkbar?

In Unternehmen oder in der Agogik, zeigt sich dieser Zusammenhang gut, wenn wir nicht nur einzelne Mitarbeiter oder Lernende erleben, welche demotiviert und in-innovativ sind, sondern sich diese negativen Symptome (siehe oben Psychologie) auf ein gesamtes Team, einer gesamten Klasse oder Kohorte auswirken. 

Die Ursachen sind dieselben, wie oben bereits beschrieben; der Effekt jedoch umso intensiver, da die soziologische Skalierung deutlich stärker wirkt. 

Fördern wir aber Mitarbeitende und Schüler/Lehrende entsprechend und verhelfen wir ihnen bei der Potenzials-Entfaltung, wirkt sich auch dieser Effekt ebenso stark und positiv auf ein Team, eine Abteilung oder eben auf eine Klasse/eine Kohorte aus. 

Die natürliche Effizienz, der natürliche Motivationsdrang, sowie die natürliche Innovation zeigen sich grundsätzlich ebenso im soziologischen Kontext eines Systems

Neurobiologie/Hirnforschung

Um zu zeigen, dass sich dieser Sachverhalt – wie er oben beschrieben ist –

auch biologisch zeigt, betrachten wir das Ganze einmal aus Sicht der Neurobiologie. 

Auch dort entdecken wir eine stringente Tendenz zur Effizienz und Optimierung bezüglich der neuronalen Vernetzung. 

So hat die neueste Forschung im Bereich der Neurobiologie festgestellt, dass relevante Vernetzungen und Synapsen-Koppelungen stets nach effizientem Muster entstehen.[10]

Im Grunde entsteht hier auf Mikro-Ebene, eben dieser Effekt, welcher sich in der Psychologie und Soziologie zeigt. Ein nur allzu logischer Schluss, ist unsere Psyche und Sozio-Psyche doch ein Produkt aus Neuronen und deren Vernetzungen. 

Was sich allerdings auch hier deutlich macht, ist, dass sich die neuronalen Netzwerke nicht ohne weiteres zur optimalen Effizienz entwickeln. 

Wie es bereits Carl Rogers beschrieb, entscheiden unter anderem die Reize aus der sozialen Umwelt darüber, welche Neuronen (Nervenzellen) sich wie miteinander vernetzen und entscheiden, wie schnell, effizient und leistungsfähig unser Gehirn letztendlich ist. 

Auch Prof. Dr. Peter Scheiffele und Kollegen (Universität Genf, Universität Basel), zeigen in ihren Experimenten und Forschungen im Bereich Autismus, wie sehr die positive Wirkung von Neurotransmittern durch Umwelteinflüsse (soziale Interaktion) abhängt.[11]

Wie zeigt sich das in der Praxis

So sorgen Reize wie Wertschätzung und Sicherheit, sowie Transparenz (Vermeidung des Kontrollverlusts) mittel und langfristig eine positive Neuro-Dynamik, ergo, fördern die effiziente und optimale (im Sinne der steten Weiterentwicklung und des geistigen Wachstums) Entwicklung des Gehirn – somit Psyche und geistigen Fähigkeiten des Menschen


Was meint das?

Gemessen an der Frequenz der elektromagnetischen Impulse, zeigen positive Reize aus der Umwelt (siehe Absatz oben) eine deutlich entspannte Gehirnaktivität (Alpha-Wellen-Frequenz), welche zwingend notwendig ist, um effiziente neuronale Vernetzungen zu bilden (= Lernen, Kreativitätsprozesse). 

Erleben Menschen oder Mitarbeiter oder Schüler hingegen überwiegend Stress, wenig Wertschätzung, In-Transparenz & Unsicherheit, zeigt sich eine permanente angespannte Hirnwellen-Frequenz (Beta-Frequenz) welche das Gehirn zwar auf „funktionieren“ switched, allerdings keinen/wenig Raum für neue Vernetzungen (=Lernen & Kreativität) zulässt. Ergo: „Menschen unter Anspannung & Stress entwickeln sich nicht weiter.“ 

Ein Effekt, welcher evolutions-biologisch durchaus Sinn ergibt und effizient ist, muss ein Gehirn (Mensch) bei drohender Gefahr (Stress) automatisch und schnell funktionieren und reagieren können und keine Energie/Zeit dafür verschwenden, neue Vernetzungen zu entwickeln. 

Erlebt der Mensch und sein Gehirn permanente Stress-Situationen und Anspannung, so fehlt den neuronalen Netzwerken nicht durch die Zeit der Optimierung der Vernetzung, sondern ebenso die Energie, Netzwerk-Sanierungen (Ruhe/Pause) vorzunehmen. 

So sind auch Erkrankungen wie Depressionen/Burn-out im Grunde nichts anderes als eine natürliche Notbremse und Reaktion der neuronalen Vernetzung. 

B) 2. Agilität und agile Methodik als Förderer natürlicher Effizienz

Die agile Idee, deren Methoden und die agile Organisation (das agile System der Selbstdynamik) / das agile Team, sorgen somit für die Förderung dieser natürlichen Effizienz.

Wie ist dies zu verstehen?

Freiheit: Motivation & Innovation

Die agile Team-Struktur gibt den Mitarbeitenden oder Schülern Raum zur Selbstorganisation und Selbstbestimmung. 

Prozesse werden selbst entwickelt und durch die wachsende Verantwortung der Teammitglieder steigt somit die Motivation eines jeden einzelnen Mitarbeiters/Schülers/Studierenden.

Ein Vorgang, der dem Entwicklungsprozess zur Potenzials-Entfaltung und Selbstverwirklichung absolut in die Karten spielt.

Eine gesunde soziale Interaktion in diesem selbstdynamischen Team, sorgt zudem für eine weitere – sich ergebende – grundsätzliche positiven Bewertung der sozialen Interaktionen. 

Ebenso ergibt sich daraus – und vor allem durch die agile Methodik – ein deutlicher Zugewinn in Bezug auf die Innovationskraft des Teams/der Abteilung. Der Kreativität wird Raum gegeben und diese somit gefördert. Die Selbstdynamik und die Selbststeuerung lässt das „Erforschen“, sowie das individuelle „Lernen“ durch intrinsische Prozessuren deutlich intensiver zu. 

Wertschätzung/Transparenz als Treiber

Durch die positive Interaktion (Wertschätzung); die neue Feedback-Kultur und offene Kommunikation, werden Motivations- & Innovations-Prozesse unterstützt und der Weg für die natürliche Optimierung und Effizienz-Steigerung ist geebnet. Das agile Coaching (ein fester Bestandteil der agilen Idee) schafft hierbei die Brücke zur Perfektion. 

​C) Die Agile Agogik

Mit Agilität zu effizienterem Lernen

Der beschriebene Effekt der Selbstdynamik und der Selbstorganisation, sprich der Agilität, sind die Basis der Konzeption der agilen Agogik der IUE Hochschule. 

Sinn und Zweck soll es sein, die Studierenden in deren sozialer Kompetenz (sozialer Interaktion betreffend), der Fähigkeit kreativen Denkens, sowie effizienteren Informationsverarbeitung (Lernen & Wissensaufnahme) zu fördern und zum Optimum zu verhelfen. 

Die Agilität in diesem Sinne, verhilft somit nicht nur zur optimalen Leistungssteigerung und dem Erlangen geforderter Fähigkeiten der modernen Betriebs-Ökonomie, sondern schafft zudem eine deutlich positivere Wahrnehmung und Wertung des Studierenden. 

C) 1. Lehrauftrag in der agilen Lehre

Mit Lehrauftrag wird in diesem Kontext der Effekt gemeint, den es beim Studierenden zu erzielen gilt. Ergo, das Wissen, das Know-How, sowie vor allem die Fähigkeiten, welche für den Schüler/Studierenden wichtig sind. Die Definition und Gewichtung über diese «Wichtigkeit» und «Relevanz» bestimmt die Umwelt, ferner – im Kontext der IUE Hochschule – die modernen und reale Betriebs-Ökonomie. Ziel soll es sein, dass Schüler und Studierende stets optimale Bedingungen in der Interaktion mit der späteren Gesellschaft und Wirtschaft vorfinden und erleben. 

In der modernen Gesellschaft zeigt sich dies vor allem in den Aspekten der Kreativität, der sozialen Interaktion, der Reflexionsfähigkeit und allgemeinen Meinungsbildung.

Somit gilt es also, die Diskrepanz zwischen realer Wirklichkeit in der Gesellschaft und der theoretischen starren Lehre zu vermeiden. 

Die Bestimmung des Lehrauftrages obliegt also dem tatsächlichen Bedarf der Gesellschaft, bzw. Betriebs-Ökonomie. 

Beispiel IUE Hochschule: Die Ermittlung des sogenannten «tatsächlichen Bedarfs» obliegt dem Bildungsrat, dem Studierendenrat, der Direktion für Forschung, sowie dem Wirtschaftsrat, welche wiederum selbst in selbststeuernden Prozessen, diese Bedarfe und somit auch Lernaufträge entwickeln. 

Daraus ergibt sich, dass die Institution des Bildungswesens lediglich den Auftrag der realen Gesellschaft übernimmt und die Zielerreichung dessen verantwortet und fördert. So gilt zudem, dass es dem Bildungswesen somit nicht mehr obliegt, wie der Effekt des Lehrauftrages zu vermitteln und zu lehren ist, sondern lediglich, dass er sich zeigt. 

Vielmehr soll die Art und Weise, wie Schüler und Studierende an diese Effekte (Fähigkeiten, Wissen, Know-How etc.) gelangen, von den Schülern/Studierenden selbst erarbeitet werden. 

C) 2. Lehrperson in der agilen Lehre

Die Lehrperson der agilen Lehre (Lehrer, Dozent, Professor etc.) hat im oben beschriebenen Kontext die Herausforderung und Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Schüler & Studierende dazu befähigt werden, relevantes Wissen aufzuspüren, zu verarbeiten und zu ordnen. Die Lehrperson wirkt in diesem Zusammenhang als Coach, Unterstützer und Befähiger der Schüler und Studierenden. Im Gegensatz zur klassischen Herangehensweise, in der die Lehrperson mehr als «Bestimmer» und «Vorgebers» wirkt, wird in der agilen Lehre diese «Vorgabe» des «Wie», voll und ganz den Schülern & Studierenden zur Entscheidung überlassen. 

Die Lehrperson gibt damit künftig nur noch Impulse und maximal Vorschläge, welche Methoden optional existieren und zur möglichen Zielerreichung führen könnten. Ferner übernimmt die Lehrperson die Rolle des Kommunikationstrainers und Förderer gesunder und positiver sozialer Interaktion. 

C) 3. Der Lernende in der agilen Lehre

Der Lernende (Schüler/Studierende) übernimmt in der agilen Lehre die Hauptverantwortung über die Art und Weise, sowie Methoden der Lehre, sprich des Lernens. 

In der agilen Lehre versammeln sich die Schüler/Studierenden in einem selbstdynamischen Team, welche die Aufgabe der gemeinsamen Wissenserarbeitung vor sich haben. Ziel soll es sein, durch die Impulse und etwaigen Optionen der Lehrenden (Lehrpersonen), Fähigkeiten und Wissen, sowie relevante Informationen selbst zu erarbeiten und den Wissenstransfer selbst zu organisieren. Die Lehrperson wird in diesem Kontext lediglich als Coach (Befähiger) und etwaiger Unterstützer, sowie Moderator zur Rate gezogen. 

Effekt der Arbeit im agilen Team

  • Die soziale Interaktionsfähigkeit der Schüler/Studierenden wird gestärkt und gefördert. Durch die Prämisse der gemeinschaftlichen Kooperation und Zielerreichung, wird (unter Hilfestellung der Lehrperson) vor allem die Kommunikation verschiedenster Modalitäten in den Vordergrund gerückt. 
  • Die Reflexionsfähigkeit der Schüler/Studierenden wird gestärkt und gefördert. Durch die starke Kommunikation unter Einhaltung positiver Voraussetzung (wertschätzende Kommunikation, gesunder Diskurs), wird die Reflexionsfähigkeit und die Meinungsbildung der Schüler/Studierenden gefördert. Im Mittelpunkt stehen zielführende Argumentationen und Zusammenhang-bildende Rückschlüssen, welche durch positive Kommunikation entstehen. 
  • Die Kreativität und Fähigkeit abstrakter Denkweisen, sowie holistischer Denkansätze wird gefördert. Durch die starke soziale Interaktion in, sowie die Reflexion verschiedener Meinungsbilder im Umfeld der Diversität und Heterogenität, wird den Schülern/Studierenden die Fähigkeit und der Raum zur queren Denkweise und zur Abstraktion gegeben.

C) 4. Die agile Lehr-Organisation

Die agile Organisation der Lehre, sprich die Konstellation von Lehrern/Dozenten (Rector) und Schülern/Studierenden (Discipulus), sowie der Art und Methodik der Lehre unterscheidet sich zur klassischen Vorgehensweise im Bildungswesen deutlich.

In der agilen Lehre unterscheiden wir in der Praxis grundlegend zwei Arten der Methodik und der Herangehensweise. Diese sind vor allem in Bezug auf den Zeithorizont und unter Anbetracht der Dimensionen zu unterscheiden.

  1. Agile Lehr-Zyklus

Der agile Lehr-Zyklus beschreibt die grundsätzliche Art und Weise, der Wissensvermittlung. Im Zentrum stehen hierbei deutlich die Erarbeitung, Verarbeitung und der Austausch von Wissen/Informationen, welches für Schüler und Studierende relevant und wichtig sind, um sich entsprechend weiter zu entwickeln und darauf aufbauende Ergebnisse und Effekt zu erkennen und zu reflektieren. 

Dies entspricht dem generellen und periodischen Verlauf eines Kurses, einer Lektion, eines Schuljahres, eines Semesters etc. – also einer generellen und umfassenden Lehreinheit auf Makro-Ebene. 

Im agilen Lehrzyklus fungiert die Lehrperson (wie in C) 2. & C) 3. beschrieben) als Befähiger, Unterstützer und Coach. 

Die Schüler, sowie die Studierenden hingegen übernehmen hierbei die Aufgabe und Eigenverantwortung über die Zielerreichung des Lehrauftrages (siehe C) 1.).

Im Mittelpunkt die gemeinschaftliche Erarbeitung dieser Ziele, sowie die selbstdynamische und selbstständige Informations- und Wissensgewinnung. 

Die Lehrperson hat den Auftrag, mit gezielten Trainings und Übungen, Sorge zu tragen, dass die Kommunikation und die soziale Interaktion im Team gefördert werden. 

Herausforderungen

In der agilen Lehre ist die Übernahme von Verantwortlichkeiten – im agilen selbstdynamischen Team – für die Schüler/Studierenden vor allem zu Beginn der agilen Methodik eine grosse Herausforderung. Hier wird schnell ersichtlich, wie sehr die klassische und bestimmende Agogik dazu führt, dass mit Freiheiten und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten nur mangelhaft umgegangen wird. Eine regelrechte Erziehung zur Unselbstständigkeit, wird somit heraufbeschworen. In der agilen Lehre soll eben dies verhindert werden, bzw. muss dies erst erneut «anerzogen» und geübt werden. 

  1. EduScrum

Eine besondere Methodik der agilen Lehre beschreibt das EduScum. Diese Methode und Vorgehensweise der agilen Lehre, beschreibt kleinere, situative und Projekt-bezogene Lernzyklen, welche schnelle und effektive Informationserarbeitung verlangen. Das Rahmenwerk dieser Arbeit beschreibt den bekannten Scrum Prozess. Betrachtet werden kann EduScrum als kleine und schnelle Einheiten innerhalb eines grossen gesamten agilen Lehr-Zyklus(vgl. I.). 

Übersetzung des Scrum Rahmenwerks in die EduScrum Thematik.

Die Übernahme der Ideale des Scrum fungieren relativ gleich und von der prinzipiellen Herangehensweise ähnlich. Lediglich die Betrachtungsweise und deren Effekte weisen Unterschiede auf.

Die Grundzüge des Sprints, der Backlogs, sowie der Daily Scrums oder Reviews, sowie Retrospektiven, werden in Methodik, Art und Prozessur exakt dem Scrum Guide übernommen.[12]

Die Rolle der Lehrperson

Die Rolle der Lehrperson im EduScrum ist die, welche man mit dem «Product Owner» im klassischen Scrum gleichsetzten kann. 

Ziel und Aufgabe ist es, das «Backlog» – also die genaue Beschreibung der Lehrauftrages – zu führen und dafür Sorge zu tragen, dass dieses zum Ende des Scrum-Sprints erfüllt wird. 

In der Regel beschreibt dieses «Backlog» bestimmte Fähigkeiten, Ergebnisse von Informations-Erarbeitung oder die Herstellung komplexer Zusammenhänge. 

Anders, als im allgemeinen agilen Lehr-Zyklus, verzichtet die Lehrperson hierbei völlig auf das Coachen und die Impulsgabe. 

Die Rolle des Coaches

Die Rolle des Coaches (vgl. C) 2. oder Scrum Guide «Scrum Master»), wird an dieser Stelle im EduScrum von einem Schüler selbst übernommen. 

So werden im EduScrum abwechselnd und von Projekt zu Projekt (Sprint zu Sprint) die Rollen des Coaches (Scrum Masters) getauscht. 

Auch der Schüler/Studierende der nun die Rolle des Scrum Master (Coaches) innehat, übernimmt selbe Aufgaben wie de Lehrperson im generellen agilen Lehr-Zyklus. Auch hier ist es wichtig, als Scrum Master maximal Impulse zu geben und lediglich befähigend und koordinierend im agilen EduScrum Team zu agieren. 

Die Effekte des Scrum Coaches im EduScrum

  • Förderung der holistischen Sichtweise. Durch die Position des Scrum Masters als Aussenstehender und «neutraler Überblicker» der Geschehnisse, ist es dem Schüler/Studierende wesentlich leichter möglich, die Situation der Wissenserarbeitung des agilen Teams in seiner Diversität, zu nutzen, um gesamtheitliche Verknüpfungen herzustellen, welche es gezielt als Impulse zur Kompromissfindung einsetzen kann. 
  • Förderung sozialen Interaktion. Durch die besondere Aufgabe der Rolle als Scrum Master gelingt es dem Schüler/Studierenden seine Fähigkeiten der sozialen Interaktion zu fördern und an dieser besonderen Aufgabe zu wachsen. Besonders die Entwicklung der Empathie-Fähigkeit wird hier in den Fokus gerückt und trainiert. 

D) Die Agile Lehre an der IUE Hochschule

Die agile Lehre an der IUE Hochschule 

Die agile Lehre mit seiner Methodik und Herangehensweise sorgt in vielerlei Hinsicht für einen deutlichen Mehrwert für Studierende und Gesellschaft, sowie für die moderne Betriebs-Ökonomie. 

Die IUE Hochschule wendet das Konzept der agilen Lehre in den Bereich der CAS, DAS, MAS und Bachelor, sowie Master Studiengängen an und geht hierbei stets nach dem Prinzip des agilen Lehr-Zykluses vor. 

So werden in den CAS, DAS und MAS Studiengängen mit Projektarbeiten abgeschlossen, welche ausschliesslich in agiles Projektarbeit zu vollziehen sind. 

Ebenso grosse Gewichtung erhält, bei der Bewertung der Projektarbeit, die soziale Interaktion, sowie Problembewältigung innerhalb dieser.  

Das Prinzip des EduScrum wird in den Lehreinheiten und Präsenztagen ebenso angewandt und ins Zentrum gerückt. 


[1] Carl R. Rogers. „Entwicklung der Persönlichkeit“ 1973

[2] Johannes Baldauf: „Tabula Rasa – thinking outside the box“ 2019

[3] Vgl. Prof. Dr. Vera Birkenbihl – Stroh im Kopf?: Vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer. mvg-Verlag, 2007)

[4] Vgl. Carl R. Rogers. „Entwicklung der Persönlichkeit“ 1973

[5] Vgl. F.-G. Pavel: Die Entwicklung der klientenzentrierten Psychotherapie in den USA von 1942–1973. In: Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG) 

[6] Vgl. Kramer, Rita (1976). Maria Montessori. Chicago: University of Chicago Press.

[7] Vgl. Kramer, Rita (1976). Maria Montessori. Chicago: University of Chicago Press.

[8] Vgl. H. Reimann / B. Giesen / D. Goetze / M. Schmid: Basale Soziologie – Theoretische Modelle. Opladen 1991.

[9] Vgl. Kain, John; Singleton, Kraig (1996). „Equality of Education Opportunity Revisited“

[10] Vgl. György Buzsáki: «Rythms of the Brain» 2006

[11] https://www.biozentrum.unibas.ch/research/researchgroups/overview/unit/scheiffele/research-group-peter-scheiffele-related-to-prof-peter-scheiffele/

[12] Vgl. Scrum Guide nach Jeff Sutherland und Scrum IUE Hochschule