Duftmarketing

Wie Düfte & Gerüche bestimmen, was wir kaufen, mögen und verabscheuen.

Autor: Professor M.Sc. Psych. M.Sc. Soz. Johannes Baldauf

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Riechst du das?

Der Geruchssinn wird oft sehr unterschätzt. Vor allem im Bereich des Marketings, bzw. im allgemeinen Kontext der Ökonomie.

Düfte und Gerüche beeinflussen unser Handeln allerdings deutlich stärker als wir bisher angenommen haben.

Mit diesem Beitrag möchten wir Ihnen zeigen, welchen Einfluss Gerüche auf Ihr Verhalten haben und wie man mit Duftmarketing wahre Wunder bewegt.

Wie Düfte & Gerüche verarbeitet werden

Wie unsere Sinnes-Reize grundsätzlich verarbeitet werden

Die Reize unserer Sinnesorgane, wandern in der Regel in verschiedene Bereiche des Gehirns, werden dort verarbeitet und im Thalamus weiter geleitet, um gewisse Reize an das Limbische System, bzw. unseren Cortex/Frontallappen (unter anderem für unsere bewusste Wahrnehmung verantwortlich) weiterzuleiten. Diese Weiterleitung funktioniert zudem vice versa.

Der Thalamus gilt gewissermassen als „Tor zum Bewusstsein“, und spielt im Zentrum unseres Gehirns eine Art „Wächter“, der Entscheidungen trifft, welcher Reiz nun an welche Stelle, bzw. – vor allem gemeint – an unseren Cortex (bewusste Wahrnehmung) weitergeleitet werden. Das ist mitunter die berühmte Filterfunktionen der Umweltreize, welche wir als kleinen Bruchteil „bewusst wahrnehmen“.

Vor allem ist hier dann auch das Limbische System mit im Spiel, was vor allem für die „Bewertung & Weiterverarbeitung“, sprich die „emotionale Bewertung“ dieser Reize verantwortlich ist.

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Ergo, dort werden die Reize unserer Sinnesorgane „markiert“ und direkt für die Reaktionen unseres Gehirn vorbereitet. Somit landen die „markierten Reize“ oftmals im Hypothalamus – unserem Taktgeber.

Der Hypothalamus (ebenfalls im Zwischenhirn) ist der grosse Reaktor, bzw. Taktgeber. Er reagiert auf verschiedenste „emotional markierte“ Reize aus dem Limbischen System und sorgt für entsprechende Reaktionen des Körpers/Gehirns. Dabei werden vor allem Hormone (u.a. Nervenbotenstoffe wie Dopamin, Serotonin etc.) freigesetzt, welche unser Verhalten steuern.

Mehr über den Aufbau unseres Gehirns:

Gehirn: Aufbau und Funktion einfach erklärt

Der Witz an der Sache: Der Hypothalamus fragt uns gar nicht grossartig, ob er das den tun und machen soll. Bzw. vieles vom eben beschriebenen Vorgehen, verläuft unbewusst und in Bruchteilen von Sekunden in unserem Gehirn ab.

Dieses Prinzip (und vor allem das Prinzip der „unbewussten Steuerung“) hat sich bewährt und aus uns Menschen das gemacht, was wir sind.

Und wie ist das mit dem Riechen?

Beim Riechen & Schmecken, sieht das ein wenig anders aus. Die Reize aus unseren Geruchs-Rezeptoren (in der Nase) werden direkt in die Amygdala, bzw. das Limbische System weitergeleitet. Zunächst gehen sie also am Talars vorbei. Ebenso spielt hier der Hippocampus (für unser Gedächtnis mitverantwortlich) eine grosse Rolle. Durch den Thalamus – und somit ins Bewusstsein – gelangen Gerüche also nicht immer und manchmal nur schwach.

Wie wir in der Forschung also mittlerweile wissen, werden Gerüche von unserem Gehirn also stets verstärkt der „emotionalen Bewertung & Verarbeitung“, sowie für den Gedächtnis-Abgleich herangezogen.

Evolutionsbiologisch durchaus sinnvoll, sind die chemischen Duft- & Geschmacks-Moleküle stets ein Indikator für die Einschätzung unserer Umwelt. Die Einschätzung: Gefahr vs. Sicherheit – den dies ist der Hauptjob unseres Gehirns – steht dabei im Fokus. Interessant scheint dabei vor allem die Rolle der Amygdala (Mandelkern) zu sein, wird dieser Hirnregion oft die Rolle des „emotionalen Alarmzentrums“ zugeschrieben.

Wir riechen also, ob die „Chemie“ unserer Umwelt stimmt oder eben nicht. Vor allem negative Gerüche (=Alarm, Gefahr) sind letztendlich durch den Thalamus an unser Bewusstsein weiterzuleiten.

Die Tatsache, dass die Reizkoppelung so eng mit unseren Gedächtnis verbunden ist, war für die Entwicklung der menschlichen Spezies wohl ebenso entscheidend und zeigt, wie sehr Gerüche, Düfte & Geschmäcker mit unseren Erinnerungen und deren emotionaler Bewertung spielen.

Es geht also um unsere Erinnerungen

Tatsächlich hilft die Reizverarbeitung und „emotionale Bewertung“ in unserem Limbischen System, unsere neuronalen Vernetzungen effizient und sinnvoll entstehen zu lassen, bzw. sorgt vor allem für die passende Speicherung einer Information.

Und genau dies geschieht auch mit unseren Informationen/Reizen, welche wir riechen und schmecken.

Gerüche und Geschmäcker, also Informationen über Nase & Zunge, welche wir im Laufe unseres Lebens erfahren, bewerten und verarbeiten, werden stets mit jeweiligen Umweltsituationen und Erlebnissen des Alltags verknüpft und von unserem Gehirn (mithilfe des Limbischen Systems und des Hippocampus) in unseren neuronalen Vernetzungen abgespeichert.

Das hilft unserem Gehirn dann künftig, Situationen und Umgebungen schneller abschätzen zu können, um entsprechende Reaktionen vorzubereiten. Ziemlich schlau!

Der Nutzen fürs Marketing

Und um genau diese Erinnerungen und Emotionen geht es uns im Marketing. Wir wissen mittlerweile, wie sehr unser Verhalten und Handeln von unseren Emotionen geprägt und tatsächlich gesteuert wird. Auch hier gilt: das Meiste geschieht unbewusst und streng determiniert.

So lassen Sich im Marketing, bzw. Duftmarketing diese Reize (Düfte, Gerüche, Geschmäcker) also einsetzen, um Erinnerung im menschlichen Cortex hervorzurufen und den Konsumenten, somit zu einer Handlung/einem Verhalten zu bewegen.

Im besten Sinne eben ein gezieltes Kaufverhalten.

Der grosse Fehler des Duftmarketings!

Nun ist es natürlich so, dass der Mensch im Laufe seiner Evolution (Fortpflanzung & Selektion), sich auch gewisse „Erinnerungen“ in seiner DNA manifestiert hat. Ergo, auch Geruchs- & Geschmacks-„Erinnerungen“, welche wir von Geburt an haben und uns reflexartig agieren lassen.

Kinder zum Beispiel, sind besonders abgeneigt von Bitterstoffen und besonders hingezogen von Süsslichem. In der Evolution hat sich eben gezeigt, dass es durchaus Sinn macht, als Kind die Finger von unreifen oder gar giftigen Früchten zu lassen, hingegen süsse, reife, somit zuckrige Früchte viel Energie für das Wachstum versprechen.

Und dennoch ist es so, dass der überwiegende Anteil unsere Gerüche und die damit verbunden Erinnerungen eben NICHT angeboren sind, sondern stets Produkt unserer Entwicklung/Erziehung/Erfahrung.

So müssen wir hierbei stets von Kultur zu Kultur, Geschlecht, Alter und Gewohnheiten unterscheiden.

Es zeigte sich zum Beispiel, dass Erwachsene Frauen – in der westlichen Welt – überwiegend starkes Gefallen an bitter-süssen Drinks finden und gewisse indigene Völker dieser Erde, selbst Fäkalgeruch nicht als Ekel empfinden.

Der grossen Fehler, den wir in der angewandten Praxis des Duftmarketings stets feststellen müssen, ist dass Düfte und gezielte Reize regelrecht sinnfreie Anwendung finden und viel zu undifferenziert eingesetzt werden. Das Wissen und das Bewusstsein über die neuronalen Vorgehensweisen und Vernetzung wird zu selten bis gar nicht beachtet.

Entscheidend ist es zunächst also, sein Publikum, bzw. seine Zielgruppe genau zu analysieren und darauf hin Ableitungen anzustellen, welche Gerüche, welche Effekte mit sich bringen.

Das Potenzial des Duftmarketings

Das Potenzial des Duftmarketings ist enorm. Wenn wir nur daran denken, wie stark und tatsächlich reflexartig wir auf gewisse Düfte & Geschmäcker reagieren, wird uns aufgezeigt, wie sehr unser Verhalten/Handeln doch davon determiniert ist.

Vor allem der Einfluss unbewusster Art, hat für unser Verhalten entscheidende Vorteile, können wir uns bei der Bewertung einer Situation doch voll und ganz auf unseren Hypothalamus verlassen, der dafür aber sehr genau weiss, was er tut.

Ist also das extreme „bewusste Riechen“ vor allem ein Alarmsignal und bedarf es somit unserer vollsten Aufmerksamkeit für die Gegenmassnahmen, so sehr „unbewusst riechen“ wir doch, wenn es sich um positive „sicheren Düfte“ handelt.

Beispiel Körpergeruch

Eine Studie in den USA zeigte, dass Männer Frauen, deren Körperschweiss durch Sport entstanden ist, wesentlich attraktiver finden, als Frauen deren Körperschweiss durch Angst, Stress und Unsicherheit entstanden ist. Dies wurde anhand mehrere Tests untersucht, bei dem die „Stress-verschwitzen Frauen“ und die „Sport-verschwitzten Frauen“ objektiv/optisch nicht voneinander zu unterscheiden waren.

Offensichtlich macht dies zunächst keinen Unterschied, nehmen wir Schweiss als Schweiss wahr. Unser Hypothalamus und der vorgeschaltete Riechkolben sehen das aber anders. Diese feinen Unterschiede sind für uns so bewusst nicht spürbar. Unsere neuronale Vernetzung (in diesem Fall vermutlich evolutionsbedingt) weiss aber, dass sportliche und gesunde Frauen einen durchaus interessanteren Nährboden für die männliche Saat darstellen.

Beispiel Angst und Unsicherheit

Auch das Nehmen von Angst und Unsicherheit kann durch Gerüche und Geschmäcker vanlasst werden.

Eine 2005 publizierte Studie zeigte, dass durch die Zugabe von Lavendel & Orangen-Duft, Patienten beim Zahnarzt wesentlich entspannter und beruhigter waren, als wenn diese dem typischen Zahnarzt-Praxen Duft ausgesetzt sind.

Hierbei handelt es sich vermutlich um anerzogene Reiz-Reaktionen, bzw. gespeichert Informationen, welche diese Patienten eher an Weihnachten, Sommerurlaube in der Provence oder an den Strand der Bahamas erinnerte, welche an und für sich, bzw. für das Gehirn, eine entspannte und sichere Situation darstellen.

Beispiel Umsatz in Las Vegas

In Las Vegas wurden Bereiche eines Casinos (konkret Spielautomaten) verschieden duftend präpariert. Bei den Vergleichen der Düfte und neutralen Bereiche, zeigte sich, dass ein spezieller Duft eines bestimmten Areals 45% mehr Spielaktivität erbrachte als an den Tagen vor und nach dem Experiment. Quelle

Erstaunlich, hätten Sie Spielautomaten und Düfte wohl eher weniger in Verbindung gebracht.

Doch was geschieht in diesem Beispiel?

Der Mensch am Spielautomaten steckt in einem neuronalen Zwiespalt. So sagt ihm sein „Dopaminerges System“ im Gehirn (Belohnungssystem und Stimulanz), dass er immer weiter und weiter spielen soll. Sein Frontallappen (der bewusste Verstand), wird ihm davon aber stets abraten und hält dem Hypothalamus stets die schrecklichen Bilder einer Insolvenz und einer Nacht unter der Penner-Brücke vor.

Es besteht also die tatsächliche Gefahr, dass der Mensch das Spiel abbricht und zur Vernunft kommt.

Wäre da nicht ein dezenter Duft, den der Verstand so nicht wahrnimmt, ABER dem Hypothalamus stets das Gefühl gibt, in einer absolut sicheren Situation zu sein und den drohenden Abbruch des Spiels zu vertagen.

Fazit

Duftmarketing birgt eine Unmenge an Potenzial, setzt man es richtig und gezielt ein. Entscheidend ist das Wissen um die Funktion der neuronalen Systeme, sowie die vorherige Analyse der Konsumentengruppe.

Dafür bedarf es Know-How.

Wir helfe Ihnen weiter!

Das Institut für Neuromarketing der IUE Hochschule, berät Sie gerne im Bereich Duftmarketing und zeigt Ihnen Ihr Potenzial auf.

Kontakt:

Professor M.Sc. Psych. M.Sc. Soz. Johannes Baldauf

baldauf@iue-hochschule.ch

Weitere Informationen & Quellen:

  • Podcast von Prof. Dr. Dr. Hatt

https://www1.wdr.de/radio/wdr4/wort/mittendrin/mittendrin-duefte-100.html

https://www.dasgehirn.info/wahrnehmen/riechen-schmecken

Das Persona-Modell

nach Johannes Baldauf (Professor IUE Hochschule)

Innovative Produktentwicklung

Wenn wir von „Persona“ sprechen, meinen wir in der Regel einen fiktive und künstliche Stellvertretung für eine Personengruppe, ergo eine Kundengruppe. Im Kontext der Produktentwicklung und des Innovation Thinking, sowie des Design Thinking, ist es wichtig diese Persona exakt zu ermitteln. Das Buzzword „Persona“ hält seit einigen Jahren immer mehr Einzug in unserem modernen Sprachgebrauch. 

Doch wissen wir auch wirklich was das ist? Wissen wir wirklich über all die Dinge bescheid, die eine Person abbilden? 

Uns fällt dabei immer wieder auf, dass die Persona viel zu oberflächlich und unvollständig entwickelt werden. Und wenn ich oberflächlich meine, dann nehme ich Bezug auf den Kundenbedarf – ferner, den vermeintlichem Kundenbedarf.

Denn eben dieser Kundenbedarf, wird viel zu oberflächlich und ungenügend behandelt.

Das Entscheidende bei der Persona-Entwicklung ist nämlich, den exakten und tatsächlichen Kundenbedarf zu ermitteln.

Und wenn wir vom exakten Kundenbedarf sprechen, dann meinen wir in der Regel „das nicht Offensichtliche“. Der exakte Kundenbedarf (oder Kundennutzen) ist bei der modernen und innovativen Produkt-Entwicklung oberste Prämisse. Im Produktentwickler-Business ist es also unabdingbar, diesen exakten Kundennutzen zu erarbeiten und herauszufinden, was die Kunden denn nun wirklich wollen – woher deren tatsächliche Motivation stammt und welche Wünsche/Sehnsüchte die Kunden tatsächlich hegen.

Nur so können wir Produkte entwickeln, die durch deren Innovation erfolgreich am Markt positioniert werden können.

Das Persona-Modell

Persona-Entwicklung
Persona-Modell

Grundsätzlich lässt sich das Modell in zwei Bereiche eingliedern.

Einmal hier in rot dargestellt – den externen Bereich. Und einmal hier bläulich gekennzeichnet – den internen Bereich. Also die interne Welt und Sichtweise der Personengruppe, sowie die externe Welt und Sichtweise der Persona. 

Zudem stellen wir fest, dass wir die Persona-Entwicklung bei diesem Modell in vier Quadranten einteilen. Diese vier römischen Ziffern (I-IV) lassen sich als „die vier Steps der Persona-Entwicklung“ beschreiben.

Schauen wir uns das also Ganze einmal an

Externe Vermutung: (I. Quadrant)

Bei der externen Vermutung gehen wir (als Innovation Thinker oder Design Thinker) her und fassen, die von uns vermuteten, Begrifflichkeiten und Zuschreibungen der Kundengruppe zusammen. Ergo das, was wir der Meinung sind, was die Kundengruppe wirklich möchte, bzw. was deren vermeintlicher Bedarf ist. 

Interne Vermutung: (II. Quadrant)

Im zweiten Step geht es nun darum, den Kunden selbst zu befragen. Ziel ist es, herauszuarbeiten, was der Kunde selbst über seinen Bedarf meint. Die Krux an dem Ganzen ist, dass Kunden (und Menschen im Allgemeinen), seltenst definieren können, welchen Bedarf sie tatsächlich hegen.

Und genau hier kommen wir zum entscheidenden Punkt. Viele oder die meisten Produktentwickler, hören genau an diesem Punkt auf.

Der entscheidende Fehler, den wir in der aktuellen Produktentwicklung oftmals begehen, ist der, dass wir uns viel zu sehr mit dem Offensichtlichen; mit der Oberflächlichkeit zufriedengeben. Gerade bei uns in Mitteleuropa, ist dies immer wieder zu beobachten. 

Das bedeutet also, wenn Kunden oder Kundengruppen deren offensichtlichen Bedarf kundtun, ist dies oftmals eine falsche Fährte, welche wir Produktentwickler dann – ohne zu hinterfragen – direkt für bare Münze nehmen. 

Emotion: (III. Quadrant)

Durch gezielte Fragetechniken, Interview-Techniken oder durch systematische Gespräche mit den Kunden (ob in verbaler Form oder mittels Fragebögen, moderner digitaler Möglichkeiten etc.), versuchen wir nun den Kunden in die sogenannte interne Reflexion zu bringen. 

Ergo, der Kunde setzt sich mit seiner selbst und seinen tatsächlichen Bedürfnissen /seinem Bedarf, sowie seinen Wünschen auseinander. Dies kann sehr gut mit ausgewählten Vertretern der Kundengruppe durchgeführt werden. 

Wir von der IUE Hochschule (unter Leitung von Herrn Baldauf), haben dafür verschiedenste Methoden entwickelt. Mit diesem Vorgehen, schaffen wir vor allem eins: wir landen auf der emotionalen Ebene des Kunden.

Und sind somit nun bei Step III angelangt. Auf dieser emotionalen Ebene liegt der tatsächliche und exakte Kundenbedarf, der in der Regel weniger offensichtlich ist. 

Je mehr sich der Kunde mit sich/seiner selbst, seinem Bedarf, seinen Wünschen und Bedürfnissen auseinandersetzt, desto mehr kann er seinen tatsächlichen Bedarf/Nutzen – in Bezug auf ein Produkt oder eine Lösung – definieren. 

Für uns als moderne und innovative Produktentwickler, ist es deswegen sehr wichtig, diese emotionalen Wünsche, Aufforderungen, Bedürfnisse etc. zu sammeln und zu ordnen. Techniken aus der Psychologie (ferner Empathie-Lehre) helfen uns dabei, den Kunden, seine emotionale Welt und seine Lage, sowie seine Bedürfnisse/Nutzen greifbarer zu machen.

Motion: (IV. Quadrant)

Bei Schritt Nummer IV, befassen wir uns mit der Motion, sprich mit dem Verhalten des Kunden. Einer jeden Emotion folgt eine Reaktion, ergo ein Verhalten/eine Verhaltensweise. Zum einen können wir an diesem Punkt (durch unsere neu gewonnen Empathie) die Ursache-Wirkung-Zusammenhänge besser identifizieren und zum anderen können wir schlichtweg durch Beobachtung emotionale Ursache durch gezeigtes Verhalten bestätigen oder weiter aufdecken.

Nun geht es darum, unsere Ermittlungen, Analysen und Ergebnisse, soweit zu ordnen und systematisch zu reflektieren, sowie zu evaluieren, dass wir nun vollends in die Rolle und auch Welt emotionaler Bedürfnisse des Kunden oder der Kundengruppe hineinschlüpfen. 

Dies bezeichnen wir dann als externe Evaluation – als Pendant zur internen Reflexion des Kunden oder der Kundengruppe. Diese absolut neuartig gewonnene Sichtweise der ganzen Thematik, lässt uns zu einer neuen (revidierten) externen Vermutung führen. 

D. h. durch die tiefe und intensive Auseinandersetzung mit dem Kunden, deren emotionalen Welten, deren tatsächlicher Bedürfnisse und Bedarfe, sowie durch die Beobachtung des Verhaltens, erreichen wir durch Selbst-Evaluation, eine komplett neue Sichtweise auf die fiktive Persona. 

Innovation durch Wiederholung – Persona Modell

Dieser Prozess der vier Steps ist permanent wiederholbar. Ziel und Aufgabe ist es, sowohl auf interner Seite, als auch auf externer Seite eine Balance zu erhalten. 

D. h. eine Gleichwertigkeit der Inhalte der vier Quadranten und eine Gleichgewichtung der Rückschlüsse aus Ursache und Wirkung. 

Die blaue und somit Kunden-zugewandte Seite, bzw. interne Seite, beschreibt das tatsächliche Bedürfnis einer Persona. Ergo, die Ursache und Emotion für das später gezeigte Verhalten. Dieses (auf roter Seite) beschreibt die Wirkung und letztendlich den Nutzen, den wir als innovative Produktentwickler als Lösung dem Kunden versprechen. 

So lassen sich mit diesem Persona-Modell, Produkte, Leistungen und Lösungen, exakt nach dem tatsächlichen Kundenbedarf entwickeln.

Personamodell
Das Persona-Modell

Warum ein Einzeller mehr kann als 10 Ingenieure

Die Macht der Selbstorganisation

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Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie das mit unserer Intelligenz denn so funktioniert? geschweige denn, ab wann ein Organismus, ein System, eine Organisation als intelligent gilt?

Dann lassen Sie sich für ein paar Minuten in eine Welt entführen, auf dass Sie alles hinterfragen werden, was Sie bisher so über das Leben gelernt haben.

“Wir waren bisher immer der Meinung alles bis ins kleinste Detail erforschen zu müssen […] wir hatten immer die Hoffnung dahinter einen Plan des Lebens zu finden. Dabei müssen wir immer mehr begreifen, dass es diesen Plan nicht gibt. Selbstorganisation kann man nicht planen” 

Prof. Dr. Gerald Hüther (Neurobiologe)

Die Effizienz der Selbstorganisation

Haben Sie schon einmal davon gehört? Mit Sicherheit. Die Forschung der Chemie, Physik, Neurobiologie, sowie die angewandten Wissenschaften (z.B. Verkehr & Sozio-Ökonomie) beschäftigen sich aktuell sehr intensiv mit dieser „Selbstorganisation“ 

Aber um was geht es dabei?

Die Phänomenologie/Theorie der Selbstorganisation beschreibt die Tatsache, dass Organisation/Anordnung von einzelnen Teilen (Individuen, Zellen, Molekülen, Elementen etc.) zu einem grossen Ganzen völlig ohne Plan, Anleitung oder grössere Gesetzmässigkeit funktioniert. Ferner beschreibt die Annahme, dass dies stets so geschieht und sich verhält, dass wir dabei die grösstmögliche Effizienz enthalten. 

Reden wir in diesem Kontext von Effizienz, sprechen wir von:

  • Sparsamkeit in Bezug auf Ressourcen
  • Minimalster Aufwand für maximalen oder ausreichenden Effekt

Ein interessantes Beispiel dafür sind Termiten und deren Bau eines Termitenhügels

Ein Bild, das draußen, Natur, Gras, Feld enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Ein Termiten-Volk besteht auf Millionen winziger Organismen (Individuen), welche mittels primitivster Interaktion ein bemerkenswertes Verhalten (Bau eines massiven Termitenhügels) an den Tag legen. Die Biologie weiss aber mittlerweile, das es weder eine koordinierende Instanz bei den Termiten gibt, noch einen fixen Plan, wie der Hügel/Bau letztendlich auszusehen hat. Wie durch „Zauberhand“ funktionieren die kleinen Insekten und schaffen kooperierend etwas grosses. 

Dabei wird klar: Wir beschäftigen uns bei der Selbstorganisation im Grunde mit zweckmässigen Verhaltensweisen, welche durch entsprechende Organisation/Anordnung am effizientesten funktionieren. 

Wie funktioniert das denn mit der Selbstorganisation?

Im Kontext der Selbstorganisation bewegen wir uns somit auch immer in der Kern-Aussage des methodologischen Kollektivismus.

Um es auf den Punkt zu bringen: 1+1 > 2

Ergo, ein System (Gesellschaft, Termiten-Volk, das Gehirn etc.) ist wesentlich mehr als nur die Summe seiner Teile. 

Die Verhaltensweisen einzelner Individuen, ergibt in der Summe also ein Verhalten, welches dem Individualverhalten deutlich übergeordnet ist. 

Das interessante dabei ist, dass die einzelnen Bestandteile (Menschen, Termiten, Gehirnzellen etc.) des grossen Ganzen sich lediglich nach einfachsten Gesetzmässigkeiten verhalten. 

So verhalten sich einzelnen Atome und Moleküle stets nach den Prinzipien der Anziehung & Abstossung und ordnen sich dabei immer so an, dass sich für sie die stabilste Lage/Position ergibt. Eben nach dem Prinzip der Effizienz und Gesetzen einfacher Thermodynamik. 

Skalieren wir dieses einfache Verhalten, sehen wir dieses Muster auch bei sehr komplexeren Molekülen, bzw. Lebewesen.

Auch unsere Termiten reagieren stets lokal auf Mikro-Ebene. Sie orientieren sich an ihren Nachbarn und deren Verhalten. Auch hier entstehen Mechanismen der natürlichen Effizienz und vor allem der Selbsterhaltung (Überleben, Energie sparen, vgl. stabiler Zustand der Moleküle)

Die Entstehung der Intelligenz

Die Aneinander-Kettung dieser einzelnen lokal Verhaltensweisen (Mikro-Ebene) ergibt in seiner Summe eine übergeordnete Verhaltensweise (Makro-Ebene), welche einen grösseren Zweck erfüllt; welcher aber wiederum positiv und begünstigende Auswirkungen für die Individuen mit sich bringt. Mikro-Makro-Affektivität par excellence. 

Diese Art des Verhaltens bedarf aber auch einem internen Informationsfluss. Auch dafür organisiert sich das System, um diesen Zweck des Informationsflusses so effizient und effektvoll wie nur möglich zu gestalten. 

Und genau dann, sprechen wir von intelligentem Verhalten, bzw. einem intelligenten System. 

Der Mensch als Krone der Schöpfung

Aufgrund der Tatsache, dass Millionen von Hirnzellen (also ich) dieser Artikel schreiben und Sie (ebenfalls Millionen von Hirnzellen) diesen Artikel lesen und wir beide über solch komplexe Zusammenhänge philosophieren, muss ja unumstritten beweisen, dass wir an Intelligenz auf dieser Welt nicht zu übertreffen sind und wohl das raffinierteste System überhaupt darstellen – Richtig?

Nun. Ich möchte Ihnen nun jemanden vorstellen. Gestatten Sie: „Schleimpilz“

Der Schleimpilz

Ich präsentiere Ihnen nun einen Weltrekord. Es handel sich um die grösste einzelne Zelle dieser Erde – zugleich dem grössten Einzeller dieser Erde. 

Ein Bild, das Blume enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Der Schleimpilz. Zugegeben der Name irritiert, ist dieses Lebewesen nämlich weder Pilz, noch Tier, noch Pflanze – vielmehr handelt es sich um eine Amöbe. Wobei das Bild, welche sie an der Seite sehe, den Masstab 1:1 darstellt, und dieser Einzeller mehrere Quadratmeter gross werden kann (ja Sie haben richtig gelesen). 

Dieses Lebewesen verfügt über kein Gehirn und keine zentrale steuernde Einheit. Es besitzt mehrer Zellkerne (aber nur eine einzige Zellmembran) und die üblichen Bestandteile einer biologischen Zelle

Trotz dieser vermeintlichen Primitivität zeigt dieses Lebewesen äusserst interessante Verhaltensweisen, welche aktuell weltweit untersucht werden. 

Schleimpilz vs. Ingenieure

Im Jahre 2010 hat man sich an der Universität in Tokio gefragt, ob wir hierbei tatsächlich von Intelligenz sprechen können. 

Dafür wurde ein Versuch durchgeführt. 

1. In einer Petrischale wurden verschiedene Punkte gesetzt. 

Diese „Punkte“ waren Haferflocken (Nahrungsquelle für den Schleimpilz).

Hier ein kurzes Video eines ähnlichen Versuches, um Ihnen das Bewegungsmuster und die Verhaltensweisen des Schleimpilzes zu verdeutlichen (mit Popcorn) Referenz

2. Die Haferflocken „Punkte“ in der Petrischale werden so angeordnet, auf dass diese den wichtigen Zentren/Orten/Plätzen der Stadt Tokio entsprechen. 

(Modellversion der Stadt Tokio)

Diese Punkte entsprechen zudem auch wichtigen Verkehrsknotenpunkten der Tokioter U-Bahn, welches als effizientestes und zuverlässigstes ÖPNV-Netz der Welt gilt. 

3. Der Schleimpilz wurde in das Zentrum der Petrischale gesetzt und 72h in Ruhe gelassen.

4. Auf dem linken Bild sehen Sie das reale Bild des Tokioter U-Bahn Netzes, auf der rechten Seite das Schleimpilz-Netzwerk nach 72h. Auf der linken Seite sehen Sie das Meisterwerk zahlreicher Ingenieur und Experten, welche über Jahrzehnte akribisch geplant wurde, auf der rechten Seite sehen Sie einen Schleimpilz, der Hunger hatte. (Referenz)

Ein Bild, das Basketball, Spiel, Zaun enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Wie hat er das gemacht?

Das wollen Sie jetzt nicht hören, aber unser gelber Freund hatte einfach Hunger. Er folgte schlichtweg dem Gesetz der Selbsterhaltung und natürlichen Effizienz. Mittels Trial & Error suchte er sich den richtigen Weg, um letztendlich die effizienteste Vernetzung zu finden. Ohne Plan, ohne grössere Macht, die Ihn führte. 

Wenn Sie sich das obige kurze Video erneut ansehen, fällt auf, dass sich der Schleimpilz stringent fraktal fortbewegt. Das natürliche Phänomen der Fraktale hat Benoit Mandelbrot bereits entdeckt und In den 70er & 80er Jahren bereits bekannt gemacht. Auch hier zeigt sich wieder einmal, wie sich das Gesetz der Selbstähnlichkeit auch im Kontext der Selbstorganisation wiederspiegelt. 

Ein Bild, das Blume, Pflanze, haltend, Vase enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Selbstorganisation in der Betriebs-Ökonomie

Ich beschäftige mich nun seit einiger Zeit mit diesen Phänomen. Sowohl in der Sozio-Psychologie, Physik, Chemie, Mathematik, Verkehrswissenschaft, Philosophie und Neurobiologie entdeckte ich immer wieder das selbe Muster. 

Es ist kein Geheimnis mehr: Die Welt tickt nach diesem Muster – Es hängt somit alles zusammen. 

Doch aus irgendeinem Grund hat die Menschheit entschieden, dass diese Gesetzmässigkeiten in der Betriebs-Ökonomie und der Unternehmens-Organisation nicht gelten sollen. (PS: Der Grund nennt sich Kontrolle/Macht de Inhaberschaft) 

Über Jahrzehnte waren wir der festen Überzeugung: Effizienz, ordentliche Produktivität und Innovation bedürfen klarer Struktur, Führung und einem festen Plan. Das Bildungs- und Erziehung-System, welcher wir parallel dazu geschaffen haben, spiegelt diesen Glauben ebenso wieder. 

Und nun stehen wir stehen wir im Jahre 2020 vor grossen Herausforderungen, welche dem alten System der Unternehmen-Organisation auf die Pelle rückt. PS: auch hier die interessante Parallele in unser Bildungs- & Erziehungs-System

Wir erkennen nach und nach, dass wahre Innovation & wahre Effizienz durch starre Hierarchien, straffe Führungsmuster nicht annähernd so funktionieren, wie diese sich Natur-bedingt entwickeln könnte. 

Aufgrund dessen, sehe ich die Agilität – mit deren Idee der Selbstorganisation – als die Chance und Gelegenheit neu Potenziale freizusetzen, welche noch vielmehr leisten können als 1000 Ingenieur der Tokioter Stadtwerke. 

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