„Objectives and Key Results“ (OKR)

„Objectives and Key Results“ (OKR)

Oft gestellte Fragen im Zusammenhang mit agilen Management Systemen.

Prof. David Tan und Fachdozent Hung Tieu im Interview

Prof. Tan, was bringt uns OKR überhaupt?  Bisher ging es doch auch ohne OKR?

Prof. David Tan: OKR ist ein erfolgreiches Rahmenwerk – Unternehmen, wie Google, Adobe, Amazon, Deloitte, Facebook, Microsoft, Spotify, Zalando arbeiten damit bereits recht intensiv – um in einem komplexen Umfeld, Strategien agil und erfolgreich umzusetzen. Eine Thematik, welche in den letzten Jahren ordentlich an Fahrt aufgenommen hat.

Komplexe Umfelder – also eine weitere Entwicklung der Corona-Pandemie?

Prof. David Tan: Nein, nicht unbedingt. Auch vor der Corona-Pandemie war bereits von der „VUCA-Welt“ die Rede. Seit Corona wurde die VUCA-Situation jedoch noch verschärft. So hören wir von unseren Auftraggebern z.B. sehr oft folgenden Satz: „Wir fahren nur noch auf Sicht!“ – Strategien fehlen sind schwammig oder fehlen gar teilweise. In agilen Umfeldern ist dies aber ebenso relevant, wenn leider oft vernachlässigt.

Genau in dieser Situation wird der Mehrwert, den OKR als Framework für die agile Strategieumsetzung bietet, deutlich: Durch den Einsatz von OKR können sowohl Unternehmen, als auch Non-Profit-Organisationen oder auch einzelne Geschäftsbereiche ihre Strategien agil, iterativ und erfolgreich realisieren, indem quartalsweise 3-4 strategisch-relevante Ziele (Objectives) definiert und mit jeweils 2-4 konkreten Ergebnissen pro Ziel (Key Results) messbar hinterlegt werden.

Durch diese iterative Vorgehensweise kann die Organisation im Rahmen der agilen Strategieumsetzung flexibler agieren und steuern bzw. wesentlich schneller auf Unvorhergesehenes reagieren. Mit OKR bringen wir quasi System in die dynamische und scheinbare “Anarchie”.

DNA agiler Organisationen

Professor

David Tan

Professor für Organisationslehre, Kursleiter und Konzeptionist des Certified OKR Professional

Gut, das mit agiler Arbeit und agiler Methodik hören wir öfter. Jetzt arbeiten viele Unternehmen ja bereits mit Scrum, bzw. nach dem Scrum Rahmenwerk. Wofür benötigen wir zusätzlich noch OKR Rahmenwerke, wenn wir schon Scrum verwenden?

Hung Tieu: Mit Hilfe von Objectives & Key Results (OKR) entwickelt man die gesamte Organisation bzw. einzelne Geschäftsbereiche strategisch weiter, indem man iterativ von Quartal zu Quartal eben strategisch-relevante Ziele – sogenannte Objectives – und konkrete zu erreichende Ergebnisse – sogenannte Key Results – definiert.

So können Organisationen bzw. Geschäftsbereiche sich auf die entscheidenden strategisch-relevanten Ziele fokussieren.

Die Verbindung bzw. Verknüpfung von OKR und Scrum als Framework für agiles Projektmanagement entsteht durch die strategischen Projekte, die definiert und realisiert werden, um die strategischen Ziele schliesslich zu erreichen.

Also kann man OKR als “Strategische Agilität” und Scrum als “Operative Agilität” bezeichnen?

Hung Tieu: Ja so in etwa könnte man es bezeichnen.

OKR ersetzt also kein Scrum und ist eigentlich auch keine agile Methode?

Hung Tieu: Korrekt. OKR ersetzt Scrum in dem Sinne nicht – beide Themen ergänzen sich.

Im Rahmen eines agilen Managements werden beide Frameworks benötigt: OKR als Framework für die agile Strategiearbeit und Scrum als Rahmenwerk für agiles Projektmanagement. Durch OKR wird das agile Management also komplettiert.

Ok verstehe. Und wie lassen sich OKR und Scrum nun kombinieren?

Prof. David Tan: OKR und Scrum können sehr gut miteinander kombiniert werden. Wie erwähnt sprechen wir hierbei gerne von Ergänzung.

So kann ein Team zu Beginn eines OKR-Zyklus seine OKRs für das nächste Quartal definieren und in die OKR-Liste („OKR-Backlog“)schreiben.

Während des Zyklus können dann beispielsweise einzelne Key Results mittels Scrum-Projekten auf detaillierter Ebene (operativ) agil umgesetzt werden. Führt ein Scrum Team bspw. verschiedene Scrum Events durch, wie z.B. ein Weekly, so muss sich hier der Zeitaufwand durch OKR nicht wesentlich erhöhen.

Es ist nämlich sinnvoll in diesem ScrumWeekly zusätzlich noch über die weiteren Objectives & Key Results zu sprechen, welche das Team noch verfolgt. Auch die Retrospektiven von Scrum und OKR können gut miteinander verknüpft werden.


Des Weiteren bietet es sich an, dass der Scrum Master gleichzeitig auch den OKR Professional darstellt, da sich diese beiden Rollen in einigen Aspekten sehr ähnlich sind und auch hier im Umkehrschluss kein Doppelaufwand entstehen muss.

OKR kann für Scrum Teams sogar sehr nützlich sein, wirkliche Autonomie und Selbstorganisation zu erhalten und somit selbstständig festzulegen, an welchen (strategischen) Zielen sie in nächster Zeit arbeiten möchten. Somit kann OKR auch gezielt eingesetzt werden, um den Product Backlog der Scrum Teams zu priorisieren, indem vor allem die Scrum Projekte durchgeführt werden, welche einen direkten Einfluss auf die strategisch relevanten Objectives & Key Results des Teams haben.

Diese Betrachtungsweise hilft Scrum Teams auch dabei, eine Verbindung zur Unternehmensvision, zur Strategie und den Projekten herzustellen, um die Frage zu beantworten “Warum arbeiten wir eigentlich genau an diesen Projekten?

DNA einer agilen Organisation


Fachdozent

Hung Tieu

Spezialist in der Beratung, Lehre und im Training agiler Management Systeme nach OKR an der IUE Hochschule Basel

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